Hiob 35

Dir selbst schadet deine Bosheit!

Elihu fuhr fort:

»Du behauptest:
›Gott wird mich für unschuldig erklären!‹
Meinst du im Ernst, das sei richtig?
Denn du fragst:
›Was nützt es mir, wenn ich nicht sündige,
was habe ich davon?‹
Darauf kann ich dir die Antwort geben,
dir und deinen Freunden hier:

Schau zum Himmel empor,
sieh dir die Wolken an –
sie sind unerreichbar für dich!
Genauso wenig kann deine Sünde Gott erreichen;
selbst wenn du dich offen gegen ihn stellst:
ihn triffst du damit nicht!
Und umgekehrt:
Bringt ihm dein tadelloses Leben irgendeinen Nutzen?
Empfängt er damit eine Gabe aus deiner Hand?
Nein, deine Bosheit trifft nur deine Mitmenschen,
und wenn du Gutes tust, hilft es nur ihnen!

Laut stöhnen die Menschen unter der Last der Gewaltherrschaft,
sie schreien nach Befreiung vom Joch der Tyrannei.
Doch keiner fragt nach Gott,
nach seinem Schöpfer,
der in der dunkelsten Stunde uns noch Hoffnung gibt[a].
Keiner wendet sich an Gott, der uns belehrt
und der uns weiser macht als alle Tiere draußen,
klüger als die Vögel in der Luft.
Wenn Menschen um Hilfe schreien,
weil die Bosheit siegt,
wird Gott sie doch nicht hören.
Ja, sie rufen vergeblich;
Gott erhört sie nicht, er beachtet sie nicht einmal.
Und wie viel weniger wird er dich hören,
wenn du sagst, dass du ihn gar nicht siehst!

Warte geduldig, Hiob, dein Fall ist Gott bekannt!
Du meinst, dass er niemals zornig wird,
dass er Verbrechen nicht bestraft,
weil er von ihnen gar nichts weiß.
Und deshalb nimmst du den Mund hier so voll!
Aber du machst bloß leere Worte,
du redest viel und zeigst doch nur,
wie unwissend du bist!«


Footnotes
  1. 35,10 Wörtlich: der Loblieder gibt in der Nacht.

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Hiob 36

Wer kann Gott begreifen?

Weiter sagte Elihu:

»Hab Geduld mit mir
und hör noch ein wenig zu!
Ich will dir zeigen,
dass man noch viel mehr zu Gottes Verteidigung sagen kann.
Mein ganzes Wissen will ich aufbieten,
um meinem Schöpfer Recht zu verschaffen.
Ich sage dir die Wahrheit,
vor dir steht ein Mann, der weiß, wovon er spricht –
darauf kannst du dich verlassen!

Wie mächtig ist Gott!
Und doch verachtet er keinen.
Ja, mächtig ist er und voll Willenskraft.
Den Gottlosen lässt er nicht am Leben,
doch dem Unterdrückten verhilft er zum Recht.
Wer ihm die Treue hält, den vergisst er nicht,
nein, er stellt ihn Königen gleich,
betraut ihn für immer mit einem hohen Amt.
Und wenn Menschen in Ketten liegen, elend gefangen, mit Stricken gefesselt,
dann redet er ihnen ins Gewissen,
überführt sie von ihrer Schuld und aller Überheblichkeit.
Er macht sie bereit, auf seine Zurechtweisung zu hören,
und sagt ihnen, sie sollen vom Unrecht ablassen.
Wenn sie Gott gehorchen und ihm dienen,
werden sie ihre Lebensjahre glücklich und zufrieden verbringen.
Hören sie aber nicht auf ihn,
rennen sie in ihr eigenes Verderben;
sie sterben ohne jede Einsicht.
Wer Gott verworfen hat, der ist bitter gegen ihn;
er fleht nicht einmal dann um Gnade,
wenn Gott die Fesseln enger zieht.
Und so stirbt er noch in jungen Jahren,
verachtet wie die Männer,
die ihren Körper in den Götzentempeln verkaufen.
Doch wer sich vor Gott demütigt,
den wird er aus dem Elend retten
und ihn in der Not seine Stimme hören lassen.

Auch dich reißt Gott aus den Klauen der Angst,
er will dir wieder die Freiheit schenken;
dann füllen die besten Speisen wie früher deinen Tisch.
Jetzt aber lastet das Urteil auf dir,
das die Gottlosen trifft;
die strafende Gerechtigkeit lässt dich nicht entkommen.
Pass auf, dass dein Zorn dich nicht zum Spötter macht,
lass dich nicht durch Bestechungsgeld verleiten!
Kannst du dich etwa selbst aus der Bedrängnis retten?
Niemals! Dazu reicht deine ganze Kraft nicht aus.
Wünsche dir auch nicht die Nacht herbei,
in der ganze Völker verschwinden![a]
Sei auf der Hut und wende dich nicht dem Bösen zu!
Denn davor wollte dich Gott durch das Leid ja gerade bewahren.

Halte dir Gottes große Kraft vor Augen!
Er ist der beste Lehrer, den es gibt!
Niemand schreibt ihm vor,
was er zu tun hat.
Keiner könnte zu ihm sagen:
›Du hast Unrecht getan!‹
Schon immer haben die Menschen seine Taten besungen,
nun preise auch du ihn!
Alle Welt sieht staunend seine Taten,
doch man erblickt sie nur von ferne.
Wie mächtig ist Gott, wie unbegreiflich!
Wer kann seine Jahre zählen?

Er lässt die Wassertropfen aufsteigen;
gereinigt gehen sie als Regen in die Flüsse nieder.
Ja, aus den Wolken strömt der Regen,
auf viele Menschen kommt er herab.
Wer versteht, wie Gott die Wolken auftürmt
und wie am Himmelszelt der Donner kracht?
Sieh nur, wie Gott Licht um sich verbreitet,
die Meerestiefen aber verbirgt er.
Er lässt die Regenwolken kommen,
so richtet er die Völker,
aber zugleich versorgt er sie reichlich mit Nahrung.
Den Blitzstrahl nimmt er fest in beide Hände
und befiehlt ihm dann, sein Ziel zu treffen.
Donnergrollen kündigt das Gewitter an,
und selbst das Vieh spürt, dass es kommt.


Footnotes
  1. 36,20 Die Verse 18‒20 sind nicht sicher zu deuten.

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Hiob 37

Auch mein Herz klopft vor Angst,
wenn das Gewitter naht;
es schlägt immer schneller.
Hört ihr, wie der Donner rollt?
Hört ihr Gottes Stimme?
Welch ein Grollen kommt aus seinem Mund!
Er lässt den Donner los –
der ganze Himmel ist davon erfüllt,
und seine Blitze zucken weithin über die Erde!
Dann brüllt der Donner;
ja, Gottes mächtige Stimme erklingt.
Und wieder zucken die Blitze,
und wieder kracht der Donner.
Gott lässt es donnern –
seine Stimme überwältigt uns;
er vollbringt große Wunder,
die wir nicht begreifen.
Zum Schnee sagt er: ›Fall zur Erde nieder!‹,
und zum Regen: ›Werde zur Sturzflut!‹
So hindert er uns Menschen an der Arbeit,[a]
damit wir alle sehen, was er tut.
Die wilden Tiere verkriechen sich
und bleiben in ihren Höhlen.
Aus seiner Kammer kommt der Sturm,
die Nordwinde bringen beißende Kälte.
Der Atem Gottes lässt das Eis entstehen,
die weite Wasseroberfläche ist erstarrt.
Er füllt die Wolken mit Wasser
und lässt seine Blitze hindurchzucken.
Die Wolken ziehen hin und her,
wie er sie lenkt;
auf der ganzen Erde führen sie aus,
was Gott ihnen befiehlt.
Mal lässt er sie zur Strafe kommen für ein Land,
mal als Zeichen seiner Güte.

Hör es dir an, Hiob!
Steh still und denke über Gottes Wundertaten nach!
Weißt du, wie er die Wolken lenkt
und wie er seine Blitze zucken lässt?
Weißt du, wie die Wolken schweben,
diese Wunderwerke aus vollkommener Meisterhand?
Du schwitzt ja schon,
wenn die drückende Hitze des Südwinds auf dem Land liegt.
Wie kannst du dann Gott helfen,
den blauen Himmel auszubreiten,
fest wie ein Spiegel, aus Bronze gegossen?

Teile uns mit, was wir ihm sagen sollen!
Denn wir tappen im Dunkeln
und können unseren Fall nicht vorbringen.
Soll es Gott verkündet werden,
dass ich mit ihm zu reden wünsche?
Niemals! Wer das wagt,
wird sicher von ihm verschlungen werden.
Jetzt hat der Wind die Wolken weggefegt,
und die Sonne strahlt so hell,
dass niemand von uns in ihr Licht schauen kann.
Von Norden naht ein goldener Glanz.
Gott kommt in furchterregender Majestät.
Ihn, den Gewaltigen, erreichen wir nicht.
Groß ist seine Kraft,
und er ist reich an Gerechtigkeit.
Niemals unterdrückt er das Recht!
Darum fürchtet ihn, ihr Menschen!
Er lässt sich von keinem blenden,
wie weise er auch ist!«


Footnotes
  1. 37,7 Wörtlich: Auf die Hand jedes Menschen setzt er sein Siegel.

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